Am Sonntag ist Nationaler Veteranentag. Doch statt die Bundeswehr zu ehren, hat in der Woche vor dem ersten Veteranentag das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk an mehreren Tagen insgesamt etwa 45 Werbevitrinen in der Stuttgarter Innenstadt mit kritischen Botschaften zum Veteranentag gekapert und dadurch die Deutungshoheit der Bundeswehr zum Veteranentag streitig gemacht.
Denn die Werbevitrinen lassen sich mit einfachen Rohsteckschlüssel aus dem Baumarkt öffnen und selbst die Stuttgarter Polizei findet die Aktionsform als nicht strafbar.

Nazis, Munition, Einzelfälle
Die in den Werbevitrinen platzierten Adbusting-Plakate sind im bekannten Tarnfleck-Design der Bundeswehr gehalten. Im typischen großen Kasten im oberen Drittel des Plakates steht in der ersten Variante „Deutscher Mix: Nazis, Munition, Einzelfälle“. Auf der zweiten Variante steht: „Mit Nazipreppern abhängen?“. Beide Varianten ziert darunter der pinke Slogan „Nein zum Veteranentag!“ Das unten auf dem Plakat befindliche Logo der Bundeswehr zierten die Aktivist*innen statt der Wortmarke Bundeswehr mit „Braunes Heer.“

Weitere gekaperte Werbevitrinen werben jetzt statt für den „Nationalen Veteranentag“ für einen „Nazi-nahen Veteranentag“. Die Aktivisti haben dafür dreist das offizielle Logo vom Bundesministerium der Verteidigung für den Veteranentag ge-adbusted. Mit einem einfachen Strich machten sie aus dem V für Veteranen ein N für Naziprepper. Das Wort „Nationaler“ ersetzten sie kurzerhand durch „Nazi-nah“.


Haupziel waren dabei unter anderem die offiziellen Plakate der Bundeswehr. Diese korrigierten die Aktivisti mit ihren abgeänderten Veteranentagslogos.
„Die Bundis und Veteranen reden auffällig viel von Ehre für ihre Einsätze. Die kritischen Vorfälle sowohl in ihren Einsätzen als auch die fast alltäglich kritischen rechtsextremen Vorfälle in ihren eigenen Reihen wollen sie jedoch nicht sehen“, meint Kai N. Krieger, Sprecher*in der Aktivisti.
Berufen tut sich die Gruppe dabei unter anderem auf:
- Das Ergebnis einer Kleinen Anfrage im Bundestag mit dem Ergebnis von 216 bekannt gewordenen rechtsextremen Vorfällen in der Bundeswehr allein im Jahr 2022 und 205 Vorfällen im Nachfolgejahr 2023:
https://dserver.bundestag.de/btd/20/140/2014002.pdf - Eine eigene Recherche zu Rechtsextremismus in den Veteranen- und Reservistenverbänden:
https://antimil-aktionsnetzwerk.site36.net/schiessen-saufen-abhitlern-die-veteranen-vereine-hinter-dem-veteranentag/ - Die Tötung von 91 Menschen, großteils afghanische Zivilisten, beim sogennnten „Luftangriff auf Kundus“ durch den damaligen Oberst Georg Klein am 4. September 2009. Dieser wurde in der Zwischenzeit trotz der Tötung von fast 100 Zivilisten von der Bundeswehr zum General befördert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriff_bei_Kundus
Bundesweite Aktion
Die Adbusting-Aktion in Stuttgart fand in einem bundesweiten Rahmen statt. Dazu aufgerufen hatte das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk in der DFG-VK. Das Netzwerk stellte auch die Plakate bereit. Laut dem Netzwerk für Antimilitaristische Aktionen beteiligen sich an der Adbusting-Aktion gegen den Veteranentag Aktivistinnen in 26 deutschen Städten in 12 Bundesländern. Insgesamt kaperten die Aktivistinnen gemeinsam hunderte Werbevitrinen. Den Rekord mit 100 Exemplaren hält Berlin, in den kleineren Städten schwangt die Zahl zwischen 5 und 50 Stück.


Veteranenverbände oder Naziprepper Vereine?
Den Lobbyismus für den Veteranentag haben der Reservistenverband und die Veteranenverbände betrieben. Die Veteranenverbände sind zwar sehr darum bemüht, sich einen seriösen Anstrich zu geben, doch schaut man sich auf deren Webseiten um, gewinnt man den Eindruck, dass sich da bestenfalls eine sehr skurriles Mischung aus Heldentum und Totenkult zusammen brodelt.
„Wir finden daher das es eher einen Ehrentag in unserer Gesellschaft für die getöteten afghanischen Zivilisten braucht. Auch für deutlich sinnvoller als einen Veteranentag halten wir einen Ehrentag für das Pflege- und Krankenhauspersonal, das uns während Corona den Arsch gerettet hat und die bisher gefühlt außer paar mal Hände klatschen nichts bekommen haben!“, so die Aktivisti.


Reaktion der Stuttgarter Polizei
Bereits in der Vergangenheit stellte die Stuttgarter Polizei bei einer anderen Adbusting-Aktion gegenüber der Stuttgarter Zeitung fest, das sie nicht mit juristischen Konsequenzen für die Adbuster*innen rechne und keine Straftat vorliege:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.adbusting-in-stuttgart-plakat-aktion-gegen-polizei.22abfcda-af5c-4aef-af8d-c88b858c7be6.html
Trotzdem bewachten am Samstagvormittag zwei Polizist*innen eine der gekaperten Werbevitrine und versahen sie später noch mit einem rot-leuchtenden Polizei-Absperrband.
Die Aktivisti freuen sich darüber. Kai N. Krieger: „Durch den uns kostenlos bereit gestellten Polizeischutz konnten Naziprepper aus der Bundeswehr nicht einfach die Werbevitrinen abändern. Durch das rot-leuchtende Polizei-Absperrband hat die Polizei dafür gesorgt das Menschen noch eher auf unsere gekaperte Werbevitrine schauen. Vielen Dank für die Unterstützung!“
In sachlichem Ton ergänzt Kai N. Krieger: „Es ist skurril das die Stuttgarter Polizei eine Werbevitrine bewacht, nur weil diese mit einem 4€ Werkzeug aus dem Baumarkt geöffnet, das Poster der Bundeswehr satirisch bearbeitet wurde durch Umdrehen und die Ergänzung eines Bundeswehr-kritischen A3 Posters mit wohlbemerkt Tesa-Streifen. Die Stuttgarter Polizei heult sonst immer nur rum das sie zu wenig Personal und Geld bekomme. Das sie zwei Polizisten längere Zeit abstellt für die Bewachung eines Stücks Papier zeigt für uns: Städtische Gelder wären in Sozialarbeiter*innen besser investiert und die Stadt Stuttgart sollte somit Gelder von der Polizei an Sozialarbeiter*innen umverteilen!“


Wer ist das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk in der DFG-VK?
Das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk ist eine Vernetzung von Engagierten in der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsgegner*innen. Es ist aus dem Jugend-Netzwerk der DFG-VK hervorgegangen. Das Netzwerk eint die Ablehnung des Militärs, die Lust auf wilde kreative Aktionen und ein rotzfrecher Umgang mit Autoritäten. Auch in den eigenen Reihe: Das Engagement des Netzwerkes gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die selbstkritische Thematisierung von Antisemitismus, Sexismus und Rassismus auch in den eigenen Reihe stößt in der DFG-VK und in der Friedensbewegung vor allem auf Desinteresse bis offene Ablehnung.
Mehr Infos:
Hintergründe zu den Nazipreppern aus den Veteranenverbänden:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/05/09/schiessen-saufen-abhitlern-die-veteranen-vereine-hinter-dem-veteranentag/
Aktionsaufruf: Den Veteranentag enttarnen!
https://antimil-aktionsnetzwerk.site36.net/aktionsaufruf-den-veteranentag-als-naziprepper-tag-enttarnen/
Schießen, Saufen, Abhitlern? Die Veteranen-Vereine hinter dem Veteranentag:
https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/05/09/schiessen-saufen-abhitlern-die-veteranen-vereine-hinter-dem-veteranentag/
Wie gehen Werbetrinen auf?
https://de.indymedia.org/tutorial/27605
Aktionsbilder zur freien und kostenlosen Verwendung für die Presse:



























