Da staunten viele Gamescom-Besucher:innen nicht schlecht, als sie auf dem Weg zur größten Spielemesse der Welt an gefälschten Bundeswehrplakaten vorbei liefen. Statt der üblichen Werbung sind auf den gefälschten Plakaten in Bundeswehr-Optik Sprüche wie „Befehl, Gehorsam, Schikane? – Weiß ich nicht Digga“ zu lesen. Antimilitaristinnen aus dem Jugendnetzwerk der Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsgegner:innen haben die Adbustings rund um die Messe und in der Kölner Innenstadt platziert. Der Zeitpunkt der Aktion ist kein Zufall: Seit Jahren ist die Bundeswehr auf der Gamescom vertreten. „Mit der Aktion setzen wir ein Zeichen gegen die Vereinnahmung einer beliebten Videopielmesse und die Rekrutierung Minderjähriger“ erklärt Luca Schmidt, Sprecher*in des Jugendnetzwerkes der Friedensgesellschaft: „Zeitenwende, Kriegstüchtigkeit und ausufernde Debatten zur Wiedereinführung der Wehrpflicht? Wir fordern die Abschaffung der Bundeswehr und einen gesellschaftlichen Switch zu gewaltfreier Konfliktlösung und Sozialer Verteidigung.“
Die Bundeswehr ist ein Scheißverein. Und noch beschissener ist, das die Bundeswehr die wunderschöne Gamescom mit ihrer Werbung ruiniert. Hier sind unsere Argument, warum Du dir das mit dem Job bei der Bundeswehr gut überlegen solltest:
bevor Du unterschreibst… Das zeigt: Ohne öffentliche Kontrolle, kritische Medienberichte und Aktionen wie unsere würden die Bundis noch krasser abgehen. Deswegen: Überlegt euch bevor ihr unterschreibt, ob das alles den Soldaten*innensold wert ist.
Die Anzahl von sexuellen Übergriffen steigen jährlich, auf 385 gemeldete Fälle in 2023. Selbst die Wehrbeauftragte Eva Högl geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.
Die Bundeswehr ist streng hierarchisch organisiert. Wer nicht gehorcht, wird bestraft. Schon ganz am Anfang gibts ein Aufnahmeritual, bei dem so mancher neuer Rekrut*in körperlicher und geistiger Schaden zugefügt wird. Folgen können Angstzustände, Depressionen und Drogenmissbrauch sein. Super Start in den Beruf!
Auf Menschen schießen? Soldat:innen haben keinen Einfluss auf die ihnen zugewiesenen Aufgaben. Im Kriegsfall bedeutet, dass auf Menschen zu schießen und die eigenen Moralvorstellungen zu ignorieren. Dazu kann auch das Morden von Zivilist:innen gehören (z.b. Afghanistan oder Mali).
Im Kasernenalltag führt der autoritäre Zwang zu Mobbing, Diskriminierung und einem erhöhten Suizidrisiko.
Die Bundeswehr ist seit 2009 auf der Gamescom vertreten. Auf der Spiele-Messe versucht das Militär aus dem jungen spiele-affinen Publikum Soldat*innen zu rekrutieren. Hinter harmlos klingenden IT-Stellen steht jedoch auch digitale Kriegsführung und zum Beispiel das Töten mithilfe von Drohnen aus weiter Entfernung am Computer.
In vergangenen Jahren hat die Bundeswehr auf der Gamescom gezielt die Grenzen zwischen Spiel und echtem Militär verschwimmen lassen. Die Bundeswehr hat versucht, Gamer*innen mit poserigen Werbesprüchen wie: „Multiplayer at its best!“ oder „Mehr Open World geht nicht!“ zu locken.
Bundeswehr rekrutiert Jugendliche Jede:r dritte Besucher:in ist nicht volljährig. Während in über 150 Staaten weltweit auf die Rekrutierung Minderjähriger verzichtet wird, hält die Bundesregierung an dieser Praxis fest. Der UN-Ausschuss für Kinderrechte forderte die Bundesregierung bereits 2014 dazu auf, Bundeswehrwerbung mit der Zielgruppe von Minderjährigen zu unterlassen und das Mindest-Rekrutierungsalter auf 18 Jahre hochzusetzen.
Kriegsspiele und der Militär-Industrielle Komplex Das Militär schleicht sich auf der Gamescom auch noch auf andere Weise ein. Rüstungshersteller kooperieren eng mit Spieleentwicklern von Militärshootern. Militärshooter zählen zu den beliebtesten Videospielen überhaupt. Abbilder realer Waffen werden von den „guten“ Protagonisten in Videospielen verwendet, um die Beliebtheit der Waffen(-hersteller) zu steigern. Die Spielehersteller bezahlen dabei Lizenzgebühren an die Waffenhersteller. Käufer*innen finanzieren somit die Rüstungsindustrie. Teilweise listen Spiele Rüstungs- und Militärunternehmen im Abspann, so dass bspw. Heckler und Koch als „Partner“ aufgeführt wird.“
Ob die Naziprepper-Gruppe um den Prinzen von Reuß, Hannibal, Nordkreuz, Uniter oder Franco A.: Überall finden wir entwendete aus der Bundeswehr entwendete Waffen und rechte Chatverläufe. Die Bundeswehr ist durchsetzt von Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut. Junge Soldat*innen sind hier einem rassistischen und sexistischen Umfeld ausgesetzt und entwickeln in vielen Fällen ein rechtes Weltbild. Die Bundeswehr bietet ein optimales Netzwerk für Radikalisierung, Vorbereitung von faschistischen Umsturzfantasien und der Beschaffung von Waffen für Nazis.
Kasernen umbuddeln In der Bundeswehr sind laut parlamentarischen Anfragen innerhalb von 8 Jahren mindestens 57.000 Schuss Munition und 75 Sturmgewehre abhanden gekommen. Die bekannt gewordenen Fälle dürften die Spitze des Eisbergens sein: Bei den Ermittlungen gegen die Reuß-Gruppe ließ die Bundesstaatsanwaltschaft mehrmals die Kaserne des KSK in Calw umgraben. Die Bundesstaatsanwaltsschaft hoffte, den Verbleib von massenhaft nach der Abwicklung der NVA unterschlagene Waffen klären zu können.
Haben Nazis die Waffen? Bei einer Kleinen Anfrage im Bundestag der Grünen zum Thema, ob Rechtsextreme diese Waffen geklaut haben könnten, kam raus: Die genannten Zahlen sind als Verschlusssache („VS – nur für den Dienstgebrauch“) eingestuft. Statt sich dem Problem zu stellen, sagt die Bundesregierung, die Zahlen könnten „einen Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr verursachen“ (…). Durch die Zahlen könne „der nichtzutreffende Schluss gezogen werden“, dass es bei der Bundeswehr ein erhebliches Sicherheitsdefizit gebe, dies könnte bei der „Bevölkerung als Bedrohungspotential“ wahrgenommen werden.
Nazis in der Bundeswehr: Kein neues Problem Die Bundeswehr wurde 1955 von Wehrmachtsgenerälen gegründet. Alle Berufssoldaten hatten bis zum letzten Tag für Hitler-Deutschland gemordet. Erst 1986 kam ein Oberkommandierender ins Amt, der nicht für den Faschismus gekämpft hatte. Die Ideologie dieser Verbrecher prägt die Bundeswehr bis heute. Denn ihre braune Gründungsgeschichte hat die Bundeswehr nie aufgearbeitet.
Nette Mörder und Faschisten als Vorbild? Stattdessen stützt sich ihr Traditionsverständnis mit den Attentätern vom 20. Juli bis heute auf die Wehrmacht. Im Geschichtsverständnis der Bundeswehr wird völlig ausgeblendet, dass Stauffenberg selbst überzeugter Nazi war. Erst die sich abzeichnende militärische Niederlage Nazi-Deutschlands machte Stauffenberg zu einem Gegner Hitlers, nicht aber des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen. Der KSK-Soldat „Hannibal“ und seine Nazi-Prepper bezogen sich in Drohbriefen an andere Soldaten explizit auf den Faschisten Stauffenberg. So trägt auch der Stauffenberg-Mythos dazu bei, dass die Traditionspflege der Bundeswehr nach wie vor dafür sorgt, dass Soldat*innen bis heute extrem rechte Weltbilder entwickeln und diese innerhalb der Bundeswehr geduldet werden.
Neuer Traditionserlass macht es noch schlimmer Erst kürzlich wollte das Kriegsministerium mit einer Erweiterung des Traditionserlasses noch einen drauf setzen. Die Bundeswehr sucht in der Wehrmacht Beispiele „für militärische Exzellenz, Einsatzbereitschaft und den Willen zum Kampf“. Denn für die Bundeswehr sind im Zweiten Weltkrieg gestorbene Wehrmachts-Soldaten „unzweifelhaft Beispiel für soldatische Tugenden wie treues und tapferes Dienen.“ Unauffällige Faschisten und Mörder aus der Wehrmacht sollten deshalb künftig für ihre Leistungen im zweiten Weltkrieg als Vorbilder für die Bundeswehr dienen.
Nach Medienanfragen hat die Bundeswehr diesen Erlass wieder zurückgenommen, weil: »die sich jetzt in der Rückschau so nicht als förderlich herausgestellt haben« so ein Sprecher des Ministeriums.
bevor Du unterschreibst… Das zeigt: Ohne öffentliche Kontrolle, kritische Medienberichte und Aktionen wie unsere würden die Bundis noch krasser abgehen. Deswegen: Überlegt euch bevor ihr unterschreibt, ob das alles den Soldaten*innensold wert ist.
Wir lehnen alle Kriege ab, auch russische! Deshalb ist es für uns unerträglich, wie Reiner Braun und Jutta Kausch-Henken u.a. die Friedensbewegung für Putin-Propaganda instrumentalisieren.
Die Gamescom in Köln: Spass mit neuen Spielen, aber auch mit der Bundeswehr. Denn das Militär versucht dort Kid*z als Kanonenfutter abzugreifen. Das ist für uns Anlass, in Köln ein Treffen des Jugend-Netzwerkes der DFG-VK zu veranstalten. Thema: Kreativer Protest
Wann? Das Treffen startet am Mittwoch, den 21. August und endet Sonntag Mittag, den 25.8. Juni.
Im Juni haben wir uns als Jugendnetzwerk anlässlich des „Tags der Bundeswehr“ in Garmisch-Partenkirchen getroffen und dort ein gemeinsam organisiertes Vernetzungs-, Aktions- und Weiterbildungswochenende durchgeführt. Leider durften wir uns im Vorfeld sehr vorwurfsvolle und bevormundende Mails aus dem Landesverband Bayern, sowohl im BA-Mailverteiler als auch in privaten Mailverkehren, anhören. Für uns als Jugendnetzwerk war es sehr überraschend, das auf einmal ein (bestimmter) Landesverband uns reinreden wollte bezüglich einer Aktion, welche wir von unseren eigenen Finanzmitteln bezahlen. Auch wenn das ganze nun schon einige Zeit zurück liegt, möchten wir uns hiermit nochmal gemeinsam dazu äußern.
Online auf Big Blue Button. Falls du Lust hast mitmachen magst, schreib uns gerne eine Mail: jugend@dfg-vk.de
Wer kann alles kommen?
Jede und jeder Aktivisti unter 35 Jahren, unabhängig einer Mitgliedschaft in der DFG-VK. Hauptsache ihr seid kein Fan von Waffenexporten und Krieg und wollt aktiv etwas dagegen tun 😉
Gegen Krieg aktiv zu sein heißt häufig leider auch vor allem auf lokaler Ebene wenig andere junge Aktivisti zu sehen. Wir lassen uns davon allerdings nicht abbringen – und haben schwubs das Jugend Netzwerk mit Namen Antimilitaristisches Aktionsnetzwerk gegründet!
Als dieses treffen wir uns standardmäßig alle paar Wochen online um weitere Aktionen zu planen, Vernetzungswochenenden und zukünftige Konferenzen zu planen und zu besprechen und uns einfach mal unter uns jungen Antimil-Aktivisti auszutauschen.
Dafür nutzen wir BigBlueButton, da dies einfach ohne irgendwelche extra Dinge wie Account oder Software herunterladen im Browser funktioniert. Probiers doch einfach mal aus und komm zu unserm Meeting dazu 🙂